23. Februar 2012 von Matthias Anders

© Nicole Nordland
© Nicole Nordland

Liebesschmerz als Epos

 

Sie als Internetstar zu bezeichnen wäre womöglich übertrieben. Und doch: ihren ersten großen Erfolg hatte Lana del Rey mit dem Video zu „Video Games“ auf Youtube, welches inzwischen über 30 Millionen Nutzer angeklickt haben. Der weltweite Erfolg der Single war somit vorab bestimmt. Doch auch ihr Album „Born to Die“, welches am 27. Januar veröffentlicht wurde, hat inzwischen die Spitzen der Charts eingenommen.

 

Angefangen hat ihre Karriere bei einer Open-Mic-Night in New York. Mit gelbem Shirt und Akustik-Gitarre. Knapp sieben Jahre später ist sie auf dem besten Wege ein Megastar zu werden. Dabei unterscheidet sie sich deutlich von vielem, was der moderne Pop zu bieten hat. Zuerst einmal gibt es für Lana del Rey keine Kompromisse bei der Themenwahl. Liebe ist alles was sie beschäftigt, woran sie zugrunde geht und was ihr Halt gibt. Jeder ihrer 12 Songs behandelt auf irgendeine Weise Thema Liebe. Natürlich spielen auch ein wenig Patriotismus und die Bedeutung von Geld eine Rolle, aber letztlich lässt sich alles auf einen Nenner bringen. Das hält sie nicht durch ohne hier und da etwas kitschig zu werden. Man muss es also mögen. Lässt man sich aber darauf ein, ist es ein wunderschönes Album zum reinlegen und wohlfühlen.

 

Wer sich aber wirklich mit der Musik auseinandersetzen will, muss auch versuchen die Künstlerin Lana del Rey - das Gesamtkunstwerk - irgendwie zu erfassen. Da wäre zum einen sie selbst. Angeblich hat sie sich mit Absicht die Lippen „verspritzen“ lassen um den „dirty Trailerpark“-Look zu erhalten und sie bezeichnet sich auch gerne als „Gangsta Nancy Sinatra“. Wer ihr aber in die Augen sieht, der merkt, dass sie wirklichen Schmerz kennt und versucht ihn in ihren selbstgeschriebenen Songs irgendwie zu verarbeiten. Nicht zu vergessen ist ihre monumentale Stimme. Wer von ihrem Gesang auf dem Album, der irgendwo zwischen der „echten“ Nancy Sinatra und Amy Winehouse herumschwirrt und wahnsinnig wandelbar ist,  schon fasziniert ist, der sollte es sich nicht nehmen lassen auch ihre Liveauftritte anzusehen, bei denen sie mitunter ihr gesamtes Potential ausschöpft.

 

Zum anderen sind da ihre Musikvideos. Sie transportieren das Gefühl ihrer Musik auf eine ganz andere Weise. Wählte sie bei „Video Games“ und „Blue Jeans“ noch einen schmutzigen Super 8 Stil, hat sie mit „Born to Die“ ein bildgewaltiges Hochglanzwerk geschaffen. In jedem Bild liegt eine Art schöne Traurigkeit verborgen, auf die der von ihr selbstgewählte Begriff des „Sadcore“ vermutlich am besten passt.

 

Fazit

 

Man sollte nicht mit zu vielen extremen um sich werfen, aber von Lana del Rey wird sicherlich noch einiges zu hören sein und darauf kann man sich nun freuen. Mit „Born to Die“ hat sie jedenfalls ein unglaublich schönes und tragisches Album geschaffen, das atmosphärisch deutlich macht: „Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Ende einer Liebe und dem Ende der Welt!“ (zeit.de)

 

***** von *****

 

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