Text: Marcus Goldhahn & Vanessa Zeuch (April 2013 - Berlinale-Spezial)

© Neue Mediopolis
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Die Welt von Sascha steht Kopfüber 

 

Der dritte und letzte Film gehört einem ganz anderen, aber nicht weniger sehenswertem  Genre an: dem anspruchsvollen Kinderfilm. Erzählt wird die Geschichte des 10-jährigen Sascha. Mit seiner besten Freundin Elli zieht er auf dem Fahrrad durch die Gegend, um auf Tunnel-Baustellen, in Treppenhäusern oder in einem verlassenen Schacht Geräusche aufzunehmen, die Elli dann zuhause am Computer zu einem  Klangteppich verwebt.

  

Kopf und knapp

 

Es gibt jedoch auch Schattenseiten: Sascha hat Ärger in der Schule, mit der Polizei und auch zuhause läuft nicht alles rund. Ein Erziehungsbeistand wird hinzugezogen und bei Sascha wird ADHS diagnostiziert. Er bekommt ein Medikament und scheint wie verwandelt: die Noten bessern sich und es gibt keine Probleme mehr mit der Polizei. Doch zu welchem Preis? Elli hat Zweifel. Müde und lustlos, an nichts mehr interessiert – sie erkennt ihren Freund kaum wieder.

 

Die ganze Zeit über ist Elli die einzige, die Sascha so nimmt wie er ist. Sie versucht ihm sogar das Lesen beizubringen. Passend zum Filmtitel passiert das, indem beide auf dem Bett liegend ihre Köpfe nach unten hängen lassen und Sascha so versucht lesen zu lernen. Das hat allerdings nur sehr wenig Erfolg: „Ich habe Buchstabensuppe in meinem Kopf“.

 

Prädikat: Sehenswert

 

Ein schwieriges Thema für einen Kinderfilm, möchte man denken, aber der begeisterte Applaus des jungen Premierenpublikums bei der Berlinale gibt den Filmemachern recht. Es ist möglich, Filme für Kinder zu machen, die fordernd und unterhaltend zugleich sind. Bernd Sahling ist dieses Kunststück gelungen, er erzählt Saschas Geschichte behutsam und voller Wärme für seine Figuren. Der Regisseur berichtete  von einem Fall, den er als Sozialarbeiter beim Potsdamer Jugendamt selbst erlebt hat. Dort betreute er einen kleinen Jungen der an ADHS litt. Nach dem er das bessernde Medikament einnahm sagte er zu Bernd einen Satz, der ihn nicht mehr los ließ: „Ich kann nicht mehr lachen.“ Das nahm er als Grundlage für diesen Film, den er Jahre später realisierte.

 

Damit ist der Film für Menschen jeden Alters äußerst sehenswert. Die Verwandlung von Sascha von einem unbekümmerten, aufgeweckten Rabauken hin zu einem teilnahmslosen Jungen wird eindringlich gezeigt.

 

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