Text: Marcus Goldhahn & Vanessa Zeuch (April 2013 - Berlinale-Sepzial)

© Süsssauer Filmproduktion
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Silvi sucht die wahre Liebe 

 

Nach 30 Jahren Ehe wird Silvi von ihrem Mann, der ersten und einzigen Liebe in ihrem Leben, verlassen. “Sieh es als Chance für einen Neuanfang.”, rät er ihr. Und das tut sie dann auch.

  

Silvi bleibt nichts anderes übrig, als sich dem Wahnsinn der modernen Partnersuche in der Großstadt Berlin auszuliefern. Dabei trifft sie auf eine ganze Palette an unterschiedlichen männlichen Beziehungsmodellen. Zuerst kommt Uwe, der ihr beim ersten Treffen feierlich einen Busfahrplan überreicht, und der sich später als egoistischer Sexpartner entpuppt, der nur eine Bettaffäre neben seiner Beziehung haben möchte. Dann stolpert sie blindlings - im wahrsten Sinne des Wortes - in die Arme von Juan, einem romantischen Charmeur mit Hang zu BDSM und Drogen.

 

Ihre lange Ehe und die mangelnde Erfahrung machen sie dabei immer zu einem eher passiven Part. Was auch immer die Auserwählten ihr vorschlagen – Sex im Hotelzimmer, Koks, Leder-und-Latex-Spielchen - sie probiert es erst einmal aus. So sehr sich Silvi auch um einen neuen Partner bemüht, schnell wird klar, dass sie sich erstmal selber finden muss.

 

Ende gut alles gut?

 

Der Traummann scheint dann am Ende auch gefunden: Thomas, der sie vergöttert, der ein traumhaftes Haus mit üppigem Garten hat und zwei Vorzeigekinder. Er lässt sie die Fliesen für die neue Küche aussuchen und endlich scheint es einmal gut zu laufen für Silvi. Doch dann kommt seine unterwürfige Ader zum Vorschein, deren Anfänge Silvi mit Fassung zu tragen versucht. Schlussendlich aber ist die unbedingte Hörigkeit für sie nicht tragbar und sie sagt sich von ihm los.

 

Schlussendlich

 

Komödien haben es auf Preisverleihungen immer schwer. Nico Sommer ist ein Film gelungen, der lustig ist ohne albern zu sein. Seiner Hauptfigur sieht er nicht hämisch, sondern voller Wärme und Liebe dabei zu, wie sie ihr neues Leben zu meistern versucht. Silvi berührt, auch wegen der dokumentarisch anmutenden Interviewszenen, die die Authentizität des gesamten Films unterstreichen. Lina Wendel spielt die Hauptfigur dabei mit einer Ernsthaftigkeit und einem unerschütterlichen Optimismus, der dafür sorgt, dass “Silvi” nicht zu einem bloßen Lehrstück über Geschlechterverhältnisse und Rollenklischees wird, sondern ein großartiger Film über die Hoffnungen und Sehnsüchte eines Menschen auf der Suche nach Liebe.

 

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